Freitag, 20. Januar 2012

Meine letzte Reise

Arequipa 03-06.01.2012
Nach 16 Stunden Busfahrt, kamen Sarah und ich(noch immer erkältet) in Arequipa an. Wir ließen den Nachmittag ruhig angehen und schauten uns neben der Stadt im allgemeinen nur das Casa de Moral und die Kathedrale an. Am Abend gingen wir mit zwei Brasilianerinnen aus unserem Hostal noch etwas essen und fielen danach total k.o. ins Bett.
Am nächsten Tag wechselten wir das Hostal um nicht kalt duschen zu müssen und besuchten eine sehr empfehlenswerte Sehenswürdigkeit: das Kloster Santa Catalina. Dieses Kloster ist gebaut wie eine Stadt in der Stadt. Früher musste jede erste Tochter heiraten und die zweite Tochter ins Kloster gehen(dies war in diesem Kloster allerdings nur möglich wenn genug Vermögen vorhanden war - meist spanische Töchter). Diese Töchter hatten dann in diesem Kloster ihren eigenen Räume und eine oder mehrere Dienerinnen. Dies wurde allerdings in den 1870er Jahren durch eine Dominikanernonne geändert. Ab diesem Zeitpunkt mussten die Nonnen ohne Dienerinnen und eigenem Raum auskommen. Stattdessen gab es einen Gemeinschaftsschlafsaal und eine große Gemeinschaftsküche.


Im Vordergrund Badewannen der Dienerin und weiter hinten die Becken zum Wäsche waschen

Küche
Genug Geschichtliches. Am Nachmittag kamen dann Karo und Kristina an und wir eroberten zusammen das super regnerische und recht kühle Arequipa. Morgens um kurz nach drei Uhr in der Früh (also eigentlich mitten in der Nacht) wurden wir abgeholt. Es sollte zu einer zweitägigen Wanderung durch den Cañon de Colca gehen. Am ersten Tag ging es die meiste Zeit abwärts, bis wir an unserem Übernachtungspunkt ankamen. Dort gab es neben sehr coolen Hütten in denen wir schliefen, noch einen Pool zum baden und einen traumhaft schönen Ausblick in die Wälder, voll mit kleinen leuchtenden Glühwürmchen. So etwas schönes sieht man leider viel zu selten.
Am nächsten morgen ging es dann für die Meisten schon sehr früh los. 1000m Aufstieg, und das ohne Frühstück. Für Kristina und mich hieß es allerdings erst einmal warten, bis unsere Mula-Gruppe beisamen war. Ja ihr hört richtig, ich bin nun nicht auf nem Pferd geritten, aber ein Mula ist nunmal auch zum Teil Pferd. Und um schonmal das Ende vom Lied  vorweg zu nehmen: Ich bin immer noch kein Pferdefan, aber ich kann so etwas nun etwas besser verstehen. Daraufhin ging es auf den Mulas über scheinbar unüberwindbare Hindernisse nach oben. Schon erstaunlich was solche Tiere alles so schaffen! Mein Mula war sehr witzig, es hat immer kurz gewartet um dann umso schneller weiter zu laufen. Nachdem ich dann abgestiegen bin, damit der Sattel des Mulas fester geschnallt werden konnte und ich wieder auf dem Mula saß, entschied sich dieses schnellst möglich seine anderen Mulafreunde einzuholen. Gesagt getan: mit einem Affenzahn ging es schonmal ein ganzes Stück aufwärts und als dann auch noch eine ebene Strecke kam, ging das Mula komplett durch. Der Guide hinter mir fing schon panisch an irgendetwas zu schreien. Im Endeffekt war mein Mula dann doch so gut, direkt hinter dem nächsten Mula zum stehen zu kommen. Den Übermud verlor es dennoch nicht und so kam es, dass mein Mula (Speedy-Gonzalez getauft) noch mal kurz vorne umknickte, aber sich direkt wieder fing - der junge Wilde...

Gefährlicher Ort





Am Abend gabs dann nen Pool



Ja wir waren so hoch, dass es sogar Schnee gab
Nachdem unsere Gruppe (die übrigens aus acht Deutschen und zwei Österreichern bestand) vollständig oben angekommen war, ging es weiter zum Frühstück. Ab diesem Zeitpunkt durften sich die fleißigen Wanderer erholen, denn die restlichen Sehenswürdigkeiten wurden mit dem Auto besichtigt.
Alle sind heil wieder angekommen

Am Abend gingen wir, zurück in Arequipa, noch alle gemeinsam etwas essen. Dort beschlossen die vier anderen Deutschen sich uns anzuschließen und statt nach Puno (Peruanische Seite des Titicacasee´s) mit uns nach Copacabana (Bolivische Seite des Titicacasee´s) zu fahren. 

Copacabana 07-09.01.2012

Gesagt getan, kamen wir am nächsten Abend in Copacabana an und bemerkten, dass unser Zeitpunkt nicht hätte schlechter sein können. Durch ein kirchliches Fest, waren an diesem Wochendende viel mehr Menschen in Copacabana als normal, sodass unsere Hostelsuche sich eher schwierig gestaltete. Letztendlich haben wir ein Zimmer für alle von uns gefunden. Knapp 7,7 Euro war dann aber auch bislang das teuerste Hostel, seit langer Zeit. Zwei von uns haben es allerdings nicht so gut gehabt, und sind für eine Nacht in einem nicht fertigen Hostel, ohne Dusche, Wasser oder Toilette auf Matratzen untergekommen. Man muss auch solche Erfahrungen machen...
Am nächsten Morgen ging es dann geschlossen zur Isla del Sol, leider mit Verspätung, was den ganzen Tagesplan durcheinander warf. Nachdem es auf der Fahrt anfing zu regnen, stellten sich alle unten unter, um nicht nass zu werden, wodurch wir mal wieder witzige Argentinier neben uns hatten. Warum wieder? Weil man überall in Bolivien einen Haufen Argentinier findet und es fast so erscheint, als träfe man dort mehr Argentinier als Bolivier. Warum witzig? Alleine wie sie sprechen ist einfach schon sehr witzig. Auf der Insel bekamen wir eine kleine Führung, die aufgrund unserer Verspätung auch verspätet begann. Wir gingen einen Teil über die Insel und hatten eine tolle Aussicht auf den Titicacasee. Nach der Führung konnte man sich entscheiden, von der Nordseite auf die Südseite zu gehen oder mit dem Boot zur Südseite zu fahren. Ich hatte langsam genug vom Wandern und entschied mich mit zwei Weitern für den Weg mit dem Boot - die anderen wandertetn los.
Das kaum volle Boot
Angekommen am Boot erfuhren wir allerdings, dass wir beim Ticketverkauf reingelegt wurden und nicht erst um fünf Uhr von der Insel wegfahren würden, sondern schon um vier Uhr. Schade nur, dass das die fleißgen Wanderer das nicht wussten und somit das Boot verpassten und sich somit privat zurückfahren lassen mussten.
Am nächsten Tag war vor unserer Abreise nach La Paz shoppen angesagt, schließlich ist Bolivien das günstigste Land in Südamerika, auch wenn der Unterschied in den Touristenstätten kaum auffällt.
Gegen Mittag trennten sich dann unsere Wege. Wir verabschiedeten uns vom Lago Titicaca sowie unseren Kurzzeit-begleitern und machten uns mit einem fast seriösen Bus (aber wirklich nur fast) auf den Weg nach La Paz.





Zum Titicacasee: Als wir durch Puno fuhren und ich den ersten Blick auf den See warf, dachte ich meine Vorstellungen würden sich in keinster Weise erfüllen. Auf dem Weg von Puno nach Copacabana allerdings, zeigte sich der Titicacasee von seiner schönsten Seite. Gigantisch groß, mit gelben Rapsfeldern vor sich und geprägt von kleinen Fischerbooten, die ab und an zu finden sind. Dazu noch ein paar Sonnenstrahlen und die nahen Wolken...








La Paz Coroico 09-11.01.12

Nach La Paz ging es nicht einfach irgendeine normale Straße entlang. Unser Bus wurde mit einer kleinen Fähre über den schmalsten Teil des Titicacasees befördert und wir mit einem kleinen Schiffchen. Angekommen in La Paz (Übersetzt übrigens: Der Friede), trafen wir in unserem Hotel dann auf Thomas und gingen erstmal was essen.  Direkt am nächsten Tag ging es nach Coroica, nachdem ich mein Busticket für die Rückfahrt nach Lima gekauft hatte.
Also raus aus der Höhe. Coroico liegt nämlich nur auf etwa 1600 Metern und nicht auf über 3200-4100 Metern wie La Paz und der Titicacasee. Hier war es direkt viel wärmer und tropischer als in La Paz - einfach total schön. Da die gefährlichste Straße der Welt in Coroico endet (diese wird von vielen Radfahrern befahren) gibt es in Coroico viele Touristen, aber trotz dessen, findet man viele ruhige und tolle Plätze in Coroico. Am nächsten Tag wollten wir eigentlich in ein nahe gelegenes Dorf fahren, da allerdings die Brücke dorthin nicht befahrbar war, entschieden wir uns einen inder Nähe gelegenen Wasserfall zu besuchen. Nach der Tour tranken wir noch einen Kaffee und machten uns zurück auf den Weg nach La Paz um dort im Hotel noch einmal duschen zu gehen und direkt nach Uyuni weiter zu fahren.














Uyuni 12.01.2012

Leider war die normale Strecke nach Uyuni durch dir Regenzeit nicht befahrbar und wir mussten eine längere Strecke in kauf nehmen.  Mit einer Stunde Verspätung machten wir uns dann auf den Weg nach Uyuni um uns die Salzwüste dort anzusehen. Karo und ich suchten uns eine Eintagestour, da wir uns danach noch  länger La Paz anschauen wollten. Thomas beschloss, am nächsten Tag, eine drei Tagestour zu machen, um sich alles anzusehen. Da die Salzwüste in der Regenzeit nicht trocken ist sondern mit etwas Wasser gefüllt, spiegeln sich die umliegenden Berge im Wasser. Das Ganze ist schon ganz schön beeindruckend. Zudem war es möglich sehr Fotos mit optischer Täuschung zu machen...
Da dieser Ort leider auch sehr viele Touristen anzieht, waren neben unserem Jeep noch etwa über 50 weitere Jeeps auf dem selben Weg und man konnte den unglaublichen Ausblick kaum richtig genießen. Gelohnt hat sich diese Tour dennoch. Am selben Abend machten Karo und ich uns wieder auf den Weg nach La Paz (diesmal mir irgendeinem komischen Bus, da unser Bus ausgebucht war) um die Stadt zu entdecken, die uns schon auf den ersten Blick gut gefiehl.
PS: Uyuni hat das langsamste Internet, das ich jemals genutzt habe.
Eisenbahnfriedhof





In der Salzwüste




















La Paz 13-16.01.2012

Nachdem wir Morgens um halb sechs in Oruro in einen anderen Bus nach La Paz umstiegen und relativ k.o. in La Paz ankamen (wie nach zwei Nächte im Bus zu erwarten) und in unserem Hostal eincheckten, trafen wir zufällig wieder auf unsere Sarah, die im gleich Hostel übernachtete. Nach dem Frühstück machten Karo und ich eine kleine Sighseeingtour zur San Francisco Kirche und schlenderten ein wenig über die kleinen Märkte der Stadt. Abends waren wir drei dann wieder vereint. Sarah, Karo und ich gingen noch gemeinsam etwas essen und machten uns einen schönen Abend. Auch hier wurde mal wieder klar: In Südamerika sollte man niemals Cocktails bestellen, die sind einfach nur ekelig!
Am zweiten Tag machten Karo und ich uns auf den Weg zur Kuchenstube und machten somit einen längeren Spaziergang durch die Stadt, in die wir uns schon sehr verliebt hatten. Unten an der tiefsten Stelle der Stadt, stehen riesige moderne Häuser neben sehr alten Häusern und umso weiter man hinaufguckt, umso ärmer und kleiner werden die Häuser. Natürlich musste auch an diesem Tag etwas Sightseeing sein, da noch zwei Museen auf unserm Plan standen. Am Abend kochten wir in der Hostelküche und trafen dabei auf eine Gruppe Argentinier (woher sollten sie auch sonst kommen) und machten uns zusammen auf den Weg in eine Peña. In einer Peña wird typische Musik gespielt, viel getanzt und viel Bier getrunken. Natürlich tanzten wir auch das ein oder andere Mal mit - man kann schließlich nicht in einfach in eine Peña gehen und dann nicht einmal tanzen.
Auf unserm Heimweg gerieten wir in eine eher unschöne Situation. Ein Mann schrie seine Frau an und versuchte sie nach Hause zu zerren. Sie, wie die meisten Frauen hier, reagierte sehr zickig (was sein Verhalten keinesfalls entschuldigt). Nachdem wir uns das ganze Schauspiel für kurze Zeit ansahen, beschloss ich doch lieber mal nachzufragen ob alles in Ordnung sei. Nachdem die Frau mir sagte, es sei alles okay, erklärte ich dem Mann noch, dass ich seinen Machismus zum kotzen finde und ging wieder. Daraufhin fing ein betrunkener Bolivianer an, den Mann lauthals zu beschimpfen und ihm mitzuteilen, dass man eine Frau nicht so behandelte - richtig so!
Am nächsten morgen begrüßte uns La Paz wieder mit Sonnenschein anstatt mit Regen. Wir gingen auf den Schwarzarkt, dann auf den Hexenmarkt und dann zum Markt mit Artesania. Shoppen war also angesagt! In der Straße des Artesania Marktes fanden wir ein tolles Kaffee, indem wir uns einige Zeit aufhielten und indem mir Karo häckeln beibrachte - ja richtig häckeln. Meine erste Mütze ist auch schon fertig ;), was wohl eher an meiner lila-metallig-farbenen Häckelnadel liegt.
Wieder zufällig trafen wir Sarah, die am Tag die gefährlichste Straße der Welt, mit de Rad bezwungen hatte, und ich machte mich mit ihr auf den Weg ihr die schönen Seiten von La Paz zu zeigen, um ihr zu zeigen, wie toll La Paz eigentlich ist. Am Abend gingen wir super lecker indisch essen und fuhren danach zu einem Mirador, von dem aus man die ganze Stadt bei Nacht sehen konnte.
An meinem letzten Tag in La Paz gingen Karo und ich richtig groß Frühstücken. Nachdem wir in unser Hostel zurückkamen, trafen wir auf Thomas, der uns sagte, dass er mit dem selben Bus zurück nach Lima fahren würde wie ich. Somit musste ich nicht alleine 28 Stunden Bus fahren. Einige Zeit später waren wir dann auch schon auf dem Weg nach Lima, wo dann meine letzten Tage in Südamerika anbrachen.

Der blaue Jesus in der San Francisco Kirche. Begründung warum er blau ist: Die Wände draußen sind auch alle blau...


Plaza Murillo



Artesaniamarkt


Der Name eines Chinerestaurants :)

La Paz bei Nacht




Bolivien im Allgemeinen:


Alles in allem war die Reise in Bolivien kein so großer Kontrast zu Peru, wie Ecuador. Man merkt zwar alleine durch die andere Währung (den Boliviano), dass man in einem anderen Land ist, ansonsten habe ich mich dennoch sehr heimisch wie in Peru gefühlt. Der Boliviano lässt sich, so wie auch der Sol (Peruanische Währung) sehr gut in Euros umrechnen.
An jeder Straßenecke kleine Tiendas, man bekommt alles überall und auch die meisten Leute sind nett. Auch wenn man scheinbar in ganz Südamerika von Kundenfreundlichkeit noch nicht so viel gehört hat, gibt es doch immer Ausnahmen, und sehr freundliche Verkäufer.
Leider fiel recht häufig auf, dass in einigen Restaurants Kinder arbeiteten, was uns in Peru noch nicht einmal passiert ist.
Auch sehr witzig, dass die Polizisten in La Paz Mützen tragen auf denen UTOP steht - wie utopisch...
Zusätzlich auf dieser Reise gelernt haben Karo und ich, dass es ganz schön lange dauert, wenn man sich eine Gabel und einen Löffel zum Spaghettiessen teilen muss, aber das ist eine andere Geschichte.

Meine letzten Tage in Lima 

Für die letzten Tage in Lima bin ich sehr nett bei einem guten Freund untergekommen und habe erstmal das halbe Zimmer mit meinen Klamotten in ein Chaos verwandelt. Am Samstag Abend geht dann mein Flieger in Richtung Heimat. Ich werde meine letzten Tage in Lima versuchen bestmöglich zu genießen.
In Deutschland angekommen, werde ich erst einmal einige Tage bei meiner Schwester bleiben, mit meinem Patenkind Zeit verbringen und shoppen gehen. Zu Hause wartet dann ein schönes Familienessen auf mich, worauf ich mich schon sehr freue.

1 Kommentar:

  1. Hahahah. Weisst du was, am nächsten tag war dann auf einmal mehr Besteck da. Genau eine Gabel und ein Löffel mehr. :)

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