Freitag, 4. November 2011

Im Meer baden gehen...

Na da war kaum ein Wochenende vergangen, da ging es schon wieder auf Reisen. Diesmal in Richtung Norden nach Piura und Mancóra. Wieder Ewigkeiten Busfahren. Diesmal 15 Stunden von Donnerstag auf Freitag.
Der Tag vor unserer Abreise ist allerdings auch noch erwähnenswert. Die kompletten Kurse in der Uni nach 11 Uhr morgens fielen an diesem Tag aus und auf dem Unigelände war Highlive in Tüten. Zwei der 14 Fakultäten veranstalteten ihre Partys. Es gab eine Art kleinen Halloweensumzug. Eine in Trachten gekleitete Gruppe lief mit Instrumenten bewaffnet, musizierend über den Campus. Am anderen Ende war eine große Bühne aufgebaut und es spielte eine Band. Einige Meter weiter war der Gehweg gesperrt, da dort Blumenblütenbilder gemacht wurden, die ein Religiösen Hintergrund hatten. Als wir zuletzt auf dem Weg in Richtung Ausgang waren, zog ein recht großer Gottesumzug zu Ehren des Señor de los Milagros an uns vorbei. Auf den Schultern einiger Männer eine Art Altar, riesen groß, schwer, massiv und mit Heiligenfigur des Señors darauf. Diese Art Altäre werden für solche religiösen Anlässe wohl oft herumgetragen. All dies geschah natürlich nicht stumm. Es wurden Kirchenlieder gesungen und Prospekte ausgeteilt, sodass jeder mitlaufen und mitsingen konnte. Schon ein bisschen komisch, wenn man auf so ein Aufgebot trifft, ohne vorher etwas davon gewusst zu haben-
In Piura:
Nachdem ein Plätzchen für die Nacht gefunden wurde, trudelte dann auch Karo mit zwei Freundinnen ein (die drei sind gemütlich geflogen). Zusammen erkundeten wir dann alle Piura. Naja viel zu sehen gibt es in Piura nicht. Es ist ein ganz nettes Städtchen in dem dafür um so schöneres Wetter ist. Es gab also einige Tage Sonne, Sonne und noch mehr Sonne!
Wir fuhren am selben Tag in das nahe gelegene Dorf Catacaos, indem jeden Tag Markt ist und schauten uns dort ein wenig um. Abends sind wir dann alle noch etwas trinken gegangen, nachdem wir versucht hatten eine Bar zu finden, in die wir uns setzten (war garnicht so einfach kann ich euch sagen).
Am Samstag nach dem Essen trennten sich unsere Wege wieder. Karo fuhr mit ihren Mädels + Thomas in Richtung Chiclayo und Cajamarca und wir machten uns auf den Weg nach Mancóra da es dort laut allen Reiseführern und Angaben Einheimischer den schönsten Strand Perus und den zweitschönsten Strand Südamerikas geben soll (in Ecuador ist wohl der schönste).
Mancóra ist sehr touristisch ausgelegt, versprüht aber dennoch seinen Charm. Der Strand ist ganz schön, aber nicht so schön wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ist wohl mit Philipinischen Stränden nicht zu vergleichen, aber dennoch schön. Viele bunt gemischte Menschen, die das Leben am Strand genossen und offene Restaurants, die Nachts zu Bars/Discos umfunktioniert wurden. Zudem kann man hier surfen lernen und wahrscheinlich noch einiges mehr, über das ich mich nicht informiert habe. Surfen und Tauchen lernen können dann andere machen ;) Ich war dafür das erste Mal seit meiner Zeit in Peru, im Meer baden.


Alles in allem verliefen die Tage in Mancóra völlig entspannt, wie richtiger Urlaub. Feiern am Strand, Sonne genießen, bis Mittags schlafen, direkt am Strand feiern gehen und braun werden - trotz leider oft leicht zu kaltem Wind, der uns dann dazu aufforderte die nahe gelegenen heißen Quellen besuchen zu fahren. Diese waren nur mit einem sogenannten Mototaxi, über eine halbe Stunde holpriger Straße bei voller Geschwindigkeit, zu erreichen. Angekommen stellte sich raus, dass es nicht so groß war, wie die Quellen auf unserem Weg zum Machu Picchu. Eigentlich war es nur ein etwa 6x3 Meter großes Loch im Boden, mit Seitenwänden aus Holz und vielen Blubberblasen die aus dem Boden ins Wasser stiegen. Und weit und breit keine Menschenseele. Im Nichts in heißen Quellen Baden ist einfach super entspannend und empfehlenswert.
Von den kleinen Krebsen liefen da hunderte rum

Warum nicht einfach mal nen Mauerteil zwischen den Steinen am Strand?
Am Montag ging es wieder zurück nach Piura. Dies war nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen wie der Hinweg, da hier wohl keine Minivans in Richtung Piura fahren wollten. Wir hatten Glück, dass wir ein Päächen trafen, die mit dem Taxi nach Piura fahren wollten. Wir gaben etwas Geld dazu und ab ging es nach über eine Stunde warten zurück nach Piura. Nach der Taxifahrt bemerkte ich dann wie schön sich meine Schulter verfärbt hatte. Leider nicht in schönes braun sondern erst einmal in ein leicht schmerzendes rot...
In Piura stand am Abend der Geburtstag von Willys Tante auf dem Programm. Klingt erstmal nicht sonderlich spannend. Allerdings sind peruanische Geburtstage schon ganz schön anders als die Geburtstag in Deutschland. Maria wurde nämlich 70 Jahre alt und feierte nicht wie bei uns mit Kaffee und Kuchen, sondern mit der riesen Sause bis morgens um fünf Uhr mit ihren sechs Schwestern und Gästen. Der komplette Wohnraum war bis auf einen Tisch auf dem Kuchen Stand, Stühlen die an den ganzen Wänden verteilt waren und einer Musikanlage völlig leer geräumt. Nachdem auf das Wohl des Geburtstagkindes getrunken wurde, kam eine Gruppe Musiker mit Tracht, Peruanischen Musikinstrumenten und riesen Hüten in den kleinen sowie schon mit sehr vielen Menschen gefüllten Raum und spielte einige Lieder. Zuerst tanzte Maria mit ihrem Mann und dann mit jedem Gast. Nachdem die Musiker nach viel Applaus wieder verschwunden waren, wurde die Musik aufgedreht und es wurde losgelegt. Zwischendurch gab es etwas zu Essen, es wurde traditionell um 12 Uhr nachts die Torte angeschnitten, ein Geburtstaglied getrellert und viel Getrunken. Ich erfuhr viele der interessanten Familiengeschichten und war völlig begeistert. Man muss dazu sagen, dass hier Onkel und Tanten meiste nicht das selbe Alter haben, wenn man von seiner Tante spricht denkt man nicht - okay die ist etwa 20-30 Jahre älter. Sie kann genausogut auch 50 Jahre älter sein. Allgemein sind die Familien hier viel größer und jeder scheint irgendwo Verwandte zu haben. Weiß jemand nicht wer der andere ist, wird erstmal gefragt wer denn der Vater sei, um diese Person einordnen zu können, dann wird gemeinsam getrunken und gefeiert und geredet als hätte man schon sein ganzes Leben Haustür an Haustür gelebt und würde sich deshalbt total gut kennen. Sehr gute Einstellung wie ich finde. 
Da allerdings an diesem Abend auch Halloween war und ich gerne einmal Halloween in Peru erleben wollte, ging es dann gegen Nachts um eins in einen Club, der sich für mich allerdings als eher schlechtere Wahl entpuppte. Also ab ins Bett, ausser Willy der nochmal zurück ist und wohl noch bis Morgens bei seiner Familie feiern war. (Dafür war ich dann doch zu ko...)
Halloween würde ich sagen wird hier mehr gefeiert als in Deutschland. Kinder laufen verkleidet durch die Straßen. Ich habe allerdings nicht mitbekommen ob sie auch Süßigkeiten sammeln gehen wie in Amerika, aber naja sah auf jeden Fall niedlich aus. Für die Erwachsenen ist dieser Tag wohl in Peru nicht Halloween sondern der Tag einer ganz bestimmten Peruanischen Musikrichtung (den Namen habe ich leider direkt mal wieder vergessen), die dann den ganzen Tag gespielt wird. Deshalb lief diese Musik auch wechselweise in den Discotheken und verkleidet war auch niemand.
Am Dienstag mussten wir unsere Unterkunft um 12 Uhr verlassen und verbrachten unsere restliche Zeit in Piura damit, in der Sonne zu sitzen, Saft zu schlürfen und nichts zu tun. Versucht haben wir es natürlich, aber da Feiertag war, hatten leider alle Museen geschlossen... Um 17:30 Uhr ging dann unser Bus in Richtung Lima, der allerdings nach einigen Stunden von der Polizei angehalten wurde. Alle Männer mussten ihren Ausweis der Polizei aushändigen. Diese wurden dann vor Ort überprüft und danach wieder ausgehändigt. So konnte dann die Fahrt sicher weiter gehen, die gegen 9:30 Uhr am nächsten Morgen in Lima endete.

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Anmerkungen:
- Bier trinken geht hier nicht so von statten wie bei uns. Nicht jeder bekommt eine Flasche Bier in die Hand und dann wird getrunken, nein. Eine große Flasche Bier und ein Glas reichen aus. Der Jenige der Flasche und Glas hat gießt sich einen großen Schluck ein, gibt die Flasche an den Nächsten weiter, trinkt sein Glas leer und reicht auch das weiter.
- Ich hab in ganz Lima noch keine einzige Taxi- oder Busfahrerin gesehen. Scheint hier wohl nur Fahrer zu geben.
- Spongbob T-shirt oder sonstige Kindershirts sind bei den Mädels hier total moderne. Am besten dazu: Hose ohne Arschtaschen. Meist sind diese Shirts dann Bauchfrei oder trotz dickerem Bauch hauteng und werden mit Leggins getragen... Ein Modetrend den ich nicht mitmachen möchte..
- Neben den normalen Prepaid Handys wie wir sie aus Deutschland kennen, sind in Peru die sogenannten Nextel Handys sehr beliebt, da diese viel günstiger sind. (Prepaidkosten sind hier aber auch schon sehr günstig) Diese haben eine Push-To-Talk Funktion und funktionieren ähnlich wie Walkmans. Man wählt eine Nummer und wenn der andere ran geht, telefoniert man nicht wie normal, sondern nur der der den Knopf drückt, kann zu diesem Zeitpunkt reden. Sehr witzig eigentlich...
- Peruaner neigen dazu jedes Lied mitzusingen, ob sies können oder nicht und egal wo sie sich aufhalten. Kann schon sehr nervig werden wenn die Person einfach nicht singen kann.
- Toilettenpapier gibt es hier nicht auf jeder Toilette. Man sollte also immer Taschentücher dabei haben. Hier muss man in Restaurants meistens nach Klopapier fragen, da auf der Toillette keines bereit liegt, da Klopapierrollen wohl in großem Maße geklaut werden - sehr komisch. Über die Toilettenhygiene brauchen wir garnicht erst sprechen, von Sauberkeit haben die hier echt noch nichts gehört.

1 Kommentar:

  1. Ahh die Polizeikontrolle hatten wir bei Piura auch. Offenbar wurde ien schwergefährlicher Mann gesucht! Zum Glück war Thomas da schon wieder in Lima. :)

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